Historie des Orientteppichs

Unter Orientteppichen verstehen wir alle im Morgenland gefertigten Teppiche. In den orientalischen Ländern haben sich sehr unterschiedliche Teppichformen entwickelt. So lässt sich aus Machart, Muster und Material die Herkunft bestimmen.

 

In den Ursprungsländern Persien, Türkei, Turkmenistan, Afghanistan, Zentralasien und im Kaukasus wird der Teppich zur Wärmeisolation genutzt: Er liegt auf dem Boden am Eingang des Zelts. Dafür eignet sich insbesondere Schafwolle.

 

Mit einiger Sicherheit ist der Ursprung der Flachgewebe, auch Kelim genannt, in Zentral- und Mittelasien zu suchen. Die Nomaden stellten für ihr tägliches Leben Säcke, Taschen, Decken, Flachgewebe und Teppiche sowie Wandbehänge her.

 

Das Flechten wird als Vorstufe des Webens angesehen. Ein Gewebe herstellen bedeutet Kett- und Schussfaden zu verflechten. Die Flachgewebe waren immer Teil des nomadischen und bäuerlichen Alltags. Zur Herstellung stand ihnen Schafwolle, Ziegen- oder Kamelhaar zur Verfügung.

 

Das erste Knüpfzentrum wird in der Stadt Erzurum vermutet. In Turfan in Zentralasien wurden Teppichreste aus dem 3. und 6. Jahrhundert ausgegraben. In einem skythischen Fürstengrab bei Pazyryk in Sibirien fanden die russischen Forscher Prof. Sergei Iwanowitsch Rudenko und M. Grjasnow 1949 einen Wollknüpfteppich von ungewöhnlicher Knüpfdichte und seltener Schönheit. Wissenschaftler schätzen sein Alter auf 2 500 Jahre. Er muss also im 5. Jh. v. Chr. entstanden sein, mit großer Wahrscheinlichkeit aber nicht im nomadischen Milieu, sondern im Reich der Achämeniden. Somit dürfte er, zumindest nach heutigem Wissensstand, der älteste erhaltene Teppich der Welt sein.

 

Bis zum 13. Jahrhundert gibt es dann eine Nachweislücke. Einige Quellen weisen darauf hin, dass die Teppiche, die 1905 von F. R. Martin in der Alaaddin Moschee in Konya aus der Seldschuken-Herrschaft des 13. Jahrhunderts gefunden wurden, die besten dieser Zeit waren.

 

Im Mittelalter kamen einige Teppiche durch die Kreuzritter nach Europa. Später wurden Teppiche aus dem Orient von Reisenden und Geschäftsleuten als Geschenke nach Europa gebracht, unter anderem nach Rom oder Venedig.

 

Die Stabilität eines geknüpften Wollteppichs gleicht dem eines Schaffells. Der Teppich bietet jedoch die Möglichkeit einer individuellen künstlerischen Gestaltung.

 

Das Unendlichkeitsprinzip ist eine wichtige Eigenschaft der Teppiche. Die Grundmotive, die verschnörkelten Bordüren und die harmonische Zusammenstellung der Farben Rot, Blau und Gelb geben dem Betrachter einen Eindruck des „Grenzenlosen“. Er hat das Gefühl, das Grundmuster würde sich über die Bordüren hinweg verbreiten.

 

Anfängliche Tiermotive wurden in der Mitte des 15. Jahrhunderts von geometrischen Figuren und Pflanzenmotiven abgelöst. Das 16. und 17. Jahrhundert sind die Klassische Epoche des Teppichs. Durch die Hofmanufakturen der regierenden Schahs, Sultane und Mogule gewannen die Palastteppiche an Bedeutung.

 

Es gibt verschiedene Musterschemata mit Medaillons, Sternen, Vögeln, Blumen oder abgewandelten, einst chinesischen Muster.

 

Gebetsteppiche haben ihre eigene Bedeutung und Wirkung. Sie wurden vorwiegend in den Knüpfzentren Gördes, Kula, Lâdik, Bergama, Milas, Mucur und Kırşehir angefertigt. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Hereke-Seidenteppiche auf. Im 20. Jahrhundert geht die türkische Knüpfkunst durch das Aufkommen neuer Produkte zurück.

 

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