Die Afscharen um Kirman

Die grösste und bedeutendste Afscharengruppe lebt in der Provinz Kirman. Die ersten Afscharen wanderten hier um 1510 während der Herrschaft Schah Ismails, zu Beginn der Safawidenepoche, unter ihrem Anführer Baram Beg ein. Später im selben Jahrhundert deportierte Schah Tahmasp als Strafe für ihre Revolte noch andere Afschargruppen nach Kirman.

Kirman ist eine riesige Provinz. Der Grossteil ist unfruchtbare Wüste. In den Bergen, von denen manche über 4 500 m hoch sind, herrscht ein kühles Sommerklima. Das Tiefland, das sich bis an die Küste des persischen Golfes erstreckt, ist warm genug, um den Nomaden als Winterlager zu dienen.

Die Kirman Afscharen bestehen aus einer Anzahl von Stammessippen. Die bedeutendsten von ihnen, die noch heute mit Zelten unterwegs sind, heissen

Bochaqhchi

Farsi Madan (nicht Farsi sprechend)

Jamebozorgi

 

Die Aga Janni und die Safipur Bochaqhchi. Im Sommer leben sie in Chargombad, im Winter in Baghad (zwischen Bandar-E Abas und Sirjan). Die Bochaqhchi sind eine sehr grosse Sippe. Die meisten von ihnen leben in Dörfern und Städten.

Farsi Madan (nicht Farsi sprechend) Im Sommer leben sie in der Umgebung von Dehsajer Baft, im Winter in Hozeluk in der Nähe von Baghat. Die Frauen der Farsi Madan sind sehr gute Knüpferinnen. Noch rund 200 Familien sind mit ihren Zelten unterwegs.

Jamebozorgi Im Sommer leben sie in Chah-e-Chaghul, im Winter in der Nähe von Baghat. Leider besteht die Sippe nur noch aus 30 Zelten. Die meisten leben in Dörfern und in der Stadt Sirjan.

 

 

Afschar Teppiche

Die Afscharen – ein alter Volksstamm turkmenischer Herkunft – leben im Süden Irans um die Stadt Kirman herum. Der von ihnen am meisten hergestellte Teppich ist der Sirjend. Meist in frischen und kräftigen Farben, wird er normalerweise in der Abmessung 170 x 220 cm geknüpft. Die Knüpfdichte ist relativ grob, zwischen 90 000 und 120 000 Knoten per m2, die Florwolle ist weich und wird meist eher hoch geschoren; der Teppich hat einen festen Griff. Die Kettfäden sind heute aus Baumwolle.

Die feinsten Exemplare sind die Sharbabak; weicher im Griff, kleinere Abmessungen und dezentere Farben.

Die Farsi-Madan schmücken ihre Teppiche meist mit grossen, stark stylisierten Rosensträussen.

Afschar 141 x 199 cm (Dorfarbeit)
Afschar Share-e-Babak 160 x 212 cm (Dorfarbeit)
Afschar Share-e-Babak 153 x 212cm (Dorfarbeit)
Afschar 156 x 222 cm ca. 100 Jahre alt

Sofreh Ardi (Brotteigtuch)

Sofreh Ardi (Brotteigtuch)  Die Nomaden schätzen es, wenn sie zum Essen frisch gebackenes Brot geniessen können. Damit nun die Nomadin nicht bei jeder Mahlzeit neuen Teig kneten muss, legt sie sich einen ca. viertägigen Vorrat an. Damit der Teig nicht austrocknet, wird er in die Rückseite eines quadratischen Tuches eingewickelt. Die Rückseite des gewobenen Sofreh Ardi ist zusätzlich mit einem feinen Baumwolltuch gefüttert. Dieses mit Teig gefüllte Tuch wird nun an einer kühlen Stelle im Zelt aufbewahrt.

Afschar Soleimani Sofreh Ardi 140 x 136 cm
Afschar Sofreh Ardi 144 x 149 cm
Afschar Jabal-Barez, Sofreh Ardi 142 x 150 cm
Afschar Sfreh Ardi 131 x 140 cm

Namakdan (Salztasche)

Namakdan ist eine Tasche, in welcher die Nomaden das Salz aufbewahren. Sie besteht aus einem Hauptkörper und einem Hals. Im Hauptteil wird das Salz aufbewahrt, der Hals verhindert, dass das Salz verschüttet wird.

Der Hirt trägt diese Tasche an einen Stock gebunden über der Schulter, wenn er mit seiner Herde unterwegs ist. Bei den Wasserstellen streut er Salz auf die umliegenden Steine oder Felsen, damit die Tiere nach dem Wassertrinken davon lecken können.

Da sowohl das Brot wie das Salz im Leben der Nomaden eine wichtige Rolle spielen, geben sich die Frauen bei der Herstellung dieser Gebrauchsgegenstände besondere Mühe. Leider hat auch hier der Plastik Einzug gehalten. Erfreulicherweise trafen wir bei unserem diesjährigen Besuch Weberinnen an, welche noch Sofreh Ardi webten.

Afschar Namakdan (Salztasche) 48 x 63 cm
Afschar Namakdan (Salztasche) 45 x 47 cm
Afschar Namakdan (Salztasche)
Afschar Namakdan (Salztasche) 43 x 44 cm


Kordjin (Doppeltasche)

Ein Khordjin besteht aus zwei in der Mitte verbundenen identischen Taschen. Die Grösse einer Einzeltasche kann die eines grossen Bodenkissens übertreffen, aber auch die Grösse einer Handfläche haben. In den grossen Khordjin werden Weizen und Gerste gespeichert oder Kleider und Haushaltgegenstände aufbewahrt. Die kleinen Formate dienen für die Aufbewahrung von Geld, Tabak, Näh- und Flickzeug, Schreibzeug und ähnliches. Muster und Kompositionen der Khordjin verfügen über eine grössere Vielfalt als andere Afschar Textilien. Jeder Khordjin stellt ein paar kleine Teppiche dar. Die Weberin hat ihre Aufmerksamkeit auf diese reizenden kleinen Stücke konzentriert und ihre künstlerische Fähigkeit hauptsächlich in diesem Bereich gezeigt.

Flachgewebe der Afscharen

Umschlingendes Wickeln

Gewebe mit umschlingenden Musterfäden kennt man schon seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Man nimmt an, dass diese Technik aus dem Kaukasus stammt, wo sie auch heute noch am weitesten verbreitet ist.

Im Persischen heisst diese Technik peech baf oder gatschme  (umschlingen), entspricht also dem englischen Ausdruck «wrapping». Es ist am besten mit dem Begriff «umschlingendes Wickeln» zu übersetzen. Das grundlegende Prinzip der Bindungsarten des umschlingenden Wickelns sind aktive Einträge, welche die passiven Kettfäden umschlingen. Der Bewegungsablauf lässt sich in einen Vorwärts- und Rückwärtsschritt unterteilen.

Neue Produktion

Belutsch Gatschme: Seit Jahrhunderten kennen nomadische Völker die Technik des umschlingenden Wickelns in der Kombination mit Knüpfen. Diese gemischte Technik erstrahlt nun in einem neuen Gewebe: dem «Belutsch Gatschme».Wir können uns beim Betrachten an den vielen eingewobenen und geknüpften Sujets wie Menschen, Schafe, Ziegen, Dromedare, Hühner, Pfauen, Pferde, Sterne und den vielen Symbolen erfreuen.

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Afschar Sofreh

Übergrosse Sofreh Ardi oder Sofreh Nan-Pazi = Brotteigtuch der Afschar Nomaden

Seit jeher webten die Afschar Nomaden, zum Aufbewahren des Brotteigs, verzierte quadratische feste Tücher. Dabei wurden diverse, recht komplizierte Webtechniken angewendet. Dieses handwerkliche Können und der Musterschatz der Afschar Frauen nützt nun unser Händler aus Schiras: Er lässt in der weiten Umgebung von Kirman grossformatig quadrat-ische Sofreh bis 280 x 280 cm weben. Der fein gesponnene und gezwirnte Kettfaden, sowie die mit naturfarben eingefärbte Wolle für den Schuss stammt aus dem Zagros Gebirge. Der musterbildende Schuss wird zum Teil flottant auf der Rückseite geführt.

Diese neuen Afschar Sofreh eignen sich gut als Bettdecke, Tischtuch, Raumteiler und Dank der hochwertigen, elastischen Zagroswolle ist es auch möglich sie als dekoratives Element auf den Boden zu legen.

 

die afscharen

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