Die Teppiche von Isfahan

Das Symbol der persischen Renaissance

Im Zentrum Irans, im Herzen einer vom Fluss Zayandeh Roud bewässerten fruchtbaren Ebene gelegen, ruht Isfahan, die schönste Stadt Persiens. Von ihrer gloriosen Vergangenheit als Hauptstadt zeugen zahlreiche Monumente noch heute. Die Einwohner sind gastfreundlich und haben den Ruf gefürchteter Kaufleute. Da die Distanzen zwischen den Denkmälern und dem Bazar kurz sind, kann man sich bequem auf den Bürgersteigen der breiten Strassen verschieben. Eine Reise nach Isfahan bedingt einen Aufenthalt im Hotel Shah Abbas, das wie eine alte Medrese gebaut wurde, verziert mit Malereien und Faïencen im klassischen persischen Stil. Wenige Schritte davon kann man eine Koranschule besuchen und sich danach auf dem Maidan einfinden. Dieser 500 m lange und 160 m breite Platz ist das Wahrzeichen der Stadt. Stellen Sie sich ein grosses Rechteck vor, das zur Zeit von Shah Abbas als Spielfeld für den damaligen Nationalsport Polo diente. In der Mitte der einen langen Seite liegt der Königspalast von Ali Kapu (siehe Torba 1/1999), von wo aus der Shah dem Turnier beiwohnen konnte.

Steigen wir auf den Balkon des Palasts. Gegenüber, leicht rechts auf der anderen Seite des Platzes, finden wir die Moschee von Scheich Lotfollah, und ganz rechts auf der kurzen Seite die Moschee des Imam (die alte Königsmoschee) mit ihrer unglaublich schönen türkisfarbenen Kuppel und ihren Minaretten (siehe Torba 1/1996). Rundherum und auf zwei Stockwerken die kleinen Nischen, die den Reisenden als Schutz dienten und einen riesigen Karavan-Serail bilden. Die Tore zur Linken führen zum Bazar. Hinter dem Palast und neben der Schatzkammer befanden sich die Knüpfateliers. Gleich dahinter liegt der Palast der 40 Säulen (siehe Torba 2/1999). Shah Abbas konnte also jederzeit durch eine Geheimtüre zu den Ateliers gelangen. Unser Besuch endet an den Ufern des Flusses, wo der Sonnenuntergang die Brücke Pol-e-Khajou (siehe Torba 2/1996) wunderschön in einem Ockerton färbt.

Die heutigen Teppiche Isfahans

Mit dem Fall der Safaviden und der Invasion der Afghanen zu Beginn des 18. Jh. gerieten die Hofknüpfereien in Vergessenheit. Dank der westlichen Nachfrage und der Entwicklung des internationalen Handels gegen Ende des 19. Jh. wurde die Produktion wieder aufgenommen.

Die in Europa maschinell hergestellten Wollstoffe bescherten den persischen Webern grosse Arbeitslosigkeit. Zudem machten sie die besten Wollqualitäten in grossen Mengen verfügbar. Webereien wurden in Knüpfereien umgewandelt. Dank seiner reichen Vergangenheit wurde Isfahan rasch wieder zum Zentrum der hohen Knüpfkunst.

Bis vor wenigen Jahren, bevor die Mobilität und die heutigen Kommunikationsmittel die Verteilung der Ateliers über das ganze Land ermöglichten, zählten die in Isfahan geknüpften Teppiche zu den wertvollsten Irans. Sie sind mit den besten Materialien – Lammwolle für den Flor und Seide für Kette und Schuss – geknüpft. Die Muster variieren ins Unendliche, trotz der Respektierung der Regeln für die Mustergestaltung der grossen Epoche. Die Knotendichte erreicht normalerweise eine Million pro Quadratmeter.

Berechtigterweise stolz auf ihre Arbeit, begannen die Leiter der privaten Ateliers, welche die Karkhaneh aus der Zeit von Shah Abbas abgelöst hatten, ihre Teppiche zu signieren. Diese Signaturen befinden sich oft in einer in der Bordüre des Teppichs eingeknüpften Kartusche oder isoliert in der Webkante.

Man sollte aber die Wertschätzung nicht übertreiben: Eine Signatur in einem Teppich ist noch kein Garant für dessen Qualität! Das Gewicht, das der Konsument diesen Signaturen gab, liess eine wahre Fälscher-Industrie entstehen.

Als Garant für die Tradition des persischen Teppichs hat der Isfahan bei den Kennern nichts an seinem guten Ruf eingebüsst, aber sicherlich Marktanteile an die Nachbarstadt Nain abgeben müssen. Sie verstand es nämlich, Teppiche nach den heutigen Wohntrends herzustellen. In Nain hat man rasch kapiert, dass ein Bedarf an Teppichen ohne Rot, dafür in den Farben Beige bis Braun mit ein wenig Blau bestand. Man realisierte auch, dass runde und quadratische Teppiche einem Bedürfnis entsprachen.

 

Alter Isfahan 140 x 210 cm

Kette und Schuss aus Baumwolle,

Flor aus Wolle, ca. 500 000 Knoten/m2.

Dieser aus dem Beginn dieses Jahrhunderts stammende Teppich zeigt viel ländlichen Charakter. Er stammt sicherlich nicht aus einem grossen Atelier, sondern einer Heimarbeit. Er unterscheidet sich durch die viel frischeren Farben und die gewagtere Komposition. Trotz der Jahre behielt er seine kraftvolle Ausstrahlung

 

 

 

 

 

Isfahan 147 x 205 cm

Kette und Schuss aus Baumwolle, Flor aus Wolle, ca. 810 000 Knoten/m2.

Dieser für den letzten Jahrhundertwechsel typische Teppich zeigt bereits eine raffiniertere Technik und höhere Knotendichte. Damals verfügte man für die Kette noch über die langfasrige ägyptische Baumwolle. Die stärkere Reibung der feineren

Knoten an den Kettfäden nutzte diese aber rasch ab. Daher wurde später Seide verwendet.

Isfahan 142 x 193 cm

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle mit Seide.

ca. 810 000 Knoten/m2.

Die Karkhaneh sind nicht verschwunden; dieser Teppich aus heutiger Produktion beweist es. Diese Knüpfschulen haben bis heute alle Regimewechsel überlebt; sie bilden weiterhin Knüpfer und Dessinateure auf höchstem Niveau aus.

Isfahan 144 x 225 cm

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle mit Seide

ca. 720 000 Knoten/m2, signiert.

Dieser in seltener Perfektion geknüpfter Teppich stammt aus den 60er Jahren aus den Ateliers von Arfa. In den sogenannten «Gebetsteppichen» stehen sich normalerweise die gradlinige Basis des Mihrab und die gebogene Kuppel der Nische gegenüber. In diesem Teppich hat der Künstler die Rundungen aber nicht aufgeben wollen: Er gab dem Innenfeld die Form eines Eies.

 

 

 

 

Details

Diese Art von Motiv, normalerweise kleiner und an den Extremitäten des Medaillons zu finden, bekommt hier in seiner Übergrösse eine völlig andere Bedeutung. Man würde an diesem Ort eher eine mit Rosen geschmückte Vase erwarten.

 

 

 

 

 

 

 

Inmitten von Rosen aus Isfahan, von Nelken, Kornblumen und einer Vielzahl anderer Blumen, hat der Künstler einige Vögel aus der Mythologie versteckt.

 

 

 

 

 

 

 

Isfahan 110 x 167 cm

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle

ca. 1 000 000 Knoten/m2.

Dieser von Ali Seyrafian signierte Teppich ist ein gutes Exemplar aus heutiger Produktion.

In diesem Teppich wurden in perfekter Art und dem westlichen Geschmack entsprechend das Innenfeld luftiger gestaltet, die Farben heller gewählt und die rote Farbe aus der Komposition verbannt.



Isfahan figural 147 x 214 cm

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle mit Seide.

Feinheit 1 000 000 Knoten/m2.

Hier eine in Teppichen wahrscheinlich am häufigsten wiedergegebene Szene. Diese sehr schöne Zeichnung zeigt sechs jagende Prinzen: Sie entstand in den 60er Jahren in den Ateliers von Ali Khageh.

 

 

 

 

 

Details.

In dieser Detailansicht ist im Wurzelwerk der Trauerweide eine Inschrift zu erkennen. Sie besagt, dass auch die Knüpfvorlage aus der Hand von Ali Khageh stammt.

Man beachte den chinesischen Einfluss in der Art der Darstellung der Wolken, der Felsen und der Trauerweide.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Farben des Reitergewandes sind typisch für die Teppiche Isfahans aus der Zeit des Shah Abbas: Bordeaurot und Flaschengrün. Das Gesicht wurde in Seide geknüpft.

Isfahan 150 x 236 cm

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle,

Feinheit 1 200 000 Knoten/m2.

Dieser in den 50er Jahren in den Ateliers von Hossein Seyrafian geknüpfte Teppich zeigt in perfekter Art die klassischen Kompositionen von Isfahan, nicht nur in der Mustergestaltung, auch in den Farben.

Isfahan 270 x 372 cm

Kette und Schuss aus Baumwolle, Flor aus Wolle,

Feinheit 1 000 000 Knoten/m2.

Details des Mittelstücks dieses Teppichs aus dem Beginn des Jahrhunderts zeigen in eindrücklicher Weise den Reichtum dieser dem runden Medaillon beigefügten Arabesken.

Isfahan 260 x 378 cm

Mustergestalter

Kette und Schuss aus Seide, Flor aus Wolle,

Feinheit 900 000 Knoten/m2.

Wenn das Bild dieses Medaillons auf einen Teppich aus Nain schliessen lässt, so ähneln die Struktur und die Qualität der verwendeten Materialen klar einem Teppich in Isfahan der 60er Jahre.

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