Die übrigen Teppiche aus dem iranischen Azerbeidjan

Im Norden von Täbriz leben einige Dörfer vom Teppichknüpfen. Das wichtigste Zentrum befindet sich um Heriz herum, wo währschafte Teppiche in recht grober Knüpfung hergestellt werden, die seit Beginn dieses Jahrhunderts unsere Esszimmer verschönerten. Man erkennt ihn leicht an seinem stilisierten Medaillon, basierend ausschliesslich auf geraden und schiefen Linien, robust und pflegeleicht, rustikal mit warmen Farben. Seit einigen Jahren findet man wieder wunderschöne Heriz mit molligem und dickem Flor, mit handgesponnener und pflanzengefärbter Wolle

Heriz 210 x 274 cm
Heriz 160 x 213 cm
Heriz 233 x 316 cm
Heriz 223 x 350 cm um 1929

Ein bisschen weiter im Norden befindet sich Karadja mit seinen Mehrfach-Medaillons, seiner flachen Knüpfung und dem einfach Schuss. Im Moment spezialisieren sie sich dort auf Läufer.

Noch weiter im Norden liegt Ardebil, wo die «kaukasischsten» Teppiche Irans geknüpft werden. In den 70er-Jahren wurden dort kuriose Teppiche im Senneh-Knoten hergestellt.

Im Bazar von Täbriz findet man aber auch sehr schöne Läufer aus Meshkin in leuchtenden Farben oder Kelims in Umwicklungs -Technik.

 

 

Keine andere teppichproduzierende Gegend bietet eine so grosse Vielfalt an Muster und Arten wie Iran.

Ursprung : Heriz, Azerbaïdjan, Iran Dimension : 195/140 cm Knotendichte : 102'000 symmetrische Knoten/m2 Flor : Wolle, 9 Farben Kette und Schuss : Baumwolle ungefärbt.

In Torba 2/99 haben wir einen rotgrundigen durchgemusterten Heriz beschrieben. Hier ist ein anderer Teppich gleicher Herkunft aber mit vollkommen verschiedenen Mustern und Farben.

Was von vornherein auffällt, sind der gelbe Grund und die goldene Bordüre. Später merkt man das grosse dunkelblaue Medaillon, das an eine Tarantel oder an ein Skorpion erinnert. Dieser erschreckende Muster ist ein Abwehrsymbol und dient dazu, die bösen Geiste zu entfernen und denjenigen, die sich auf den Teppich befinden, zu schützen. Der Teppich als Schutzgebiet wurde von den Ethnologen studiert; Jean Gabus spricht von den Nomaden Nemadi in der Saharawüste, die zu arm sind um einen Teppich zu besitzen und die jeden Abend den feinen Trah el Ali (Alis Sand) als Bett auswählen. Um während der Nacht geschützt zu sein, zeichnen sie mit der Fingerspitze im Sand die Zeichen des Skorpions oder der Tarantel. Allein auf den Bergen zwischen Himmel und Erde kennt der Nomade die Macht der Naturkräften und er braucht Sicherheit. Der Teppich gibt ihm diesen Schutz.

Die Borte fällt durch ihre stilisierte und sehr schöne Schlangenmuster auf. Tatsächlich handelt es sich um ein Rankenornament oder Arabeske, die sich mit der Zeit umgeformt hat.

Dieser Heriz ist weniger fein als der von Torba 2/99; er zählt nur 100'000 Knoten/m2 anstelle von 200'000. Seine Farbpalette ist weniger reich. Dagegen ist er älter und er stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sein Muster wurde später manchmal im naheliegenden Dorf von Bakhshayesh nachgeknüpft. Auch sein kleines Format (195/140 cm) ist selten, da die meisten Heriz viel grössere Dimensionen (zwischen 7 und 16 m2) aufweisen.

 

 

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