Sitzkultur

Aus einer grossen Bachtiar-Doppeltasche wurde ein gemütliches Sitzkissen beim Kamin.

Wenn wir von Teppichen sprechen, denken wir unwillkürlich an Bodenteppiche. Teppiche werden zwar im Orient auch auf den Boden gelegt, doch sind sie nicht dazu bestimmt, mit den Schuhen betreten zu werden. Sie sollen die Räume schmücken und den Bewohnern zum Sitzen und Liegen dienen.

Selbst der Freischwinger, ein Klassiker der Moderne, scheut die Veredelung durch orientalische Textilkunst nicht.

Die orientalische Sitzkultur hat sich im Abendland nie durchsetzen können – auch mit dem Import von Teppichen nicht. Von jeher haben die Europäer die textilen Erzeugnisse des Orients uminterpretiert und ihren eigenen Bedürfnissen gemäss benutzt. Schon Richard Sackville, der dritte Earl von Dorset, liess sich um 1613 auf einem Orientteppich stehend malen. Sonst finden sich Teppiche auf Bildern alter Meister jedoch fast ausschliesslich als Wandbehänge oder Tischdecken.

Erst im 19. Jahrhundert kamen sie allgemein als Bodenbeläge in Gebrauch. Als Sitzgelegenheiten, in ihrer ursprünglichen Funktion also, wurden sie in unseren Breitengraden nur gerade von der Hippiekultur geschätzt – doch diese ist endgültig aus der Mode gekommen.

Die Philippe Bergère wurde mit Fragmenten eines Ala Tschowal aus Mersin bezogen

Unseren westlichen Sitzgewohnheiten kommen die kleineren geknüpften oder gewobenen Gebrauchsgegenstände entgegen, die – mit Kissen gefüllt – zu einladenden Sitzgelegenheiten umfunktioniert werden können. Ob mit oder ohne Stuhl darunter, ob gemütliche Kuschelecke zum Musikhören oder bequemer Freischwinger am Esstisch, ihr dekorativer Wert kommt so voll zur Geltung.

Was sich sehr gut zur Verwendung als Sitzkissen anbietet, sind die Mafrash: Darin können, ihrem ursprünglichen Zweck gemäss, nicht gebrauchte Kleider oder Decken verwahrt werden, wie bei den Nomaden.

Teppiche als Möbelstoffe weiter zu verwenden bietet sich geradezu an, um zerschlissene Stücke ohne Antikwert einem neuen Zweck zuzuführen. Und dies mit überzeugenden Resultaten. In dieser Funktion kann das alte Gewebestück noch viele Jahre als sitz-veredelnde Wohntextilie dienen. Einer ebensolchen Mode im 19. Jahrhundert ist es übrigens zu verdanken, dass uns wichtige Zeugnisse der damaligen Knüpfkultur wenigstens als Fragmente erhalten geblieben sind.

Der Shirvan Mafrash ergibt eine weiche Sitzbank.
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