Malatya, Diyarbakır, Van und Hakkari

 

Die Teppiche und Flachgewebe dieser Bezirke wurden grösstenteils von halbnomadischen Kurden sowie von inzwischen sesshaft Gewordenen im Hausfleiss erstellt. Erstaunlich ist dabei, dass viel mehr Gewebtes als Geknüpftes hergestellt wurde. Dank den vielen Geschenken an die Moscheen war es möglich, die Teppiche näher zu lokalisieren, denn die Moscheen führten alle Geschenke in einem Rodel, gaben den Stücken eine Nummer mit genauen Angaben über Ort, Name und ethnischer Herkunft des Schenkers. Mit diesen Dokumentierten Stücken ist es heute möglich, ähnliche Stücke zuordnen.

 

Malatya

Die schönsten ostanatolischen Kurdenteppiche und Kelims stammen aus dieser Gegend. Viele Nomaden hatten in der fruchtbaren Euphratebene ihre Winterweide. Von besonderer Schönheit sind die Streifenkelims. Ein Merkmal ist, dass häufig jeder Teil eine in sich geschlossene Komposition trägt.

Viele Arbeiten aus dieser Gegend sind voll von Symbolen wie Stundenglas, Kreuz- und S-Motive, Hakenrauten und Oktogonen

Das langgestreckte Dreieck Diyarbakir – Hakkari – Van ist ein überwiegend von Kurden besiedeltes Gebiet.

Diese wilde Berglandschaft hat nur wenige Strassen. Die Männer sind gute Reiter. Noch heute tragen viele die traditionellen bauschigen Hosen und wallende Mäntel und schlingen einen Turban um ihren Kopf.

Kommerzielles Zentrum des Kurdengebietes ist Diyarbakir, das natürlich voll unter türkischer Hoheit steht.

Die von weitem sichtbare Stadtfestung ist grossartig und unvergesslich. Kaiser Konstantinus liess sie 349 erbauen. Der Umfang der Mauer beträgt 5500 m und hat 72 Türme.

Jeden Morgen tragen die Kurden aus den umliegenden Dörfer ihre Teppiche und Kelims auf den Markt und handeln dagegen ein, was zum täglichen Leben notwendig ist.

 

van

Die Provinzhauptstadt ist eine weitläufige, moderne Stadt. Das am Fuss des Zitadellenhügels gelegene alte Van (Tuspa) wurde im ersten Weltkrieg in Kämpfen zwischen Türken, Kurden und Armeniern zerstört.

Bewohnt wird das flache Land um den gleichnamigen See herum (1720 m.ü.M) von Vieh züchtenden und Ackerbau treibenden Kurden. Oft verschwinden die flach über oder in die Erde gebauten Häuser in der Landschaft.

 

Die Türkei sucht den Weg zu Europa. Die Lebenskosten steigen von Tag zu Tag. Die Computerwelt ist allgegenwärtig. Die telefonische Versorgung ist super. Das Handy hat im hintersten Teil Empfang.

Dass diese Entwicklung Einflüsse auf die Teppichproduktion hat, liegt auf der Hand. Viele Knüpf- und Webstühle in Ostanatolien stehen unbenutzt in Häusern und Hallen der Dörfer. Die Abnehmer in der westlichen Welt sind nicht mehr bereit, die gestiegenen Produktionspreise zu zahlen.

 

 

timur

Der Osten der Türkei ist schon anfangs der 90er Jahren für seine Produktion der Azeri Teppiche (torba 1/94) berühmt geworden. Hier ist eine Neuheit, die auch hauptsächlich für den amerikanischen Markt bestimmt ist. Die Muster sind von den alten Heriz und Mahal Anfangs des 20. Jahrhundert beeinflusst. Die Innenarchitekten der Staaten schätzen diese Muster sehr. Der hier reproduzierte Teppich wurde künstlich älter gemacht (abgenützte Stellen) damit er besser seinem Vorbild einem hundertjähriger Heriz gleicht. Die handgesponnene Wolle ist mit dem langfaserigen Haar der Angora Ziege (Tiftik) gemischt. Dieses Angora verleiht dem Timur den seidigen Glanz (torba 2/93). Die Mehrheit der Farben ist von natürlicher, hauptsächlich pflanzlicher Herkunft. Die Kette und der Schuss sind aus Wolle. Geknüpft wir der Timur in symmetrischem Knoten. Alle diese Elemente verleihen diesem neuen Teppich seine gute Qualität. Sein Aussehen verleitet einem dazu, zu meinen einen älteren Teppich vor sich zu haben.

»siehe auch Reportage : "Die Teppiche und Flachgewebe aus Ostanatolien" Torba 2/01
und "Kurdischer Gebetskelim von Malatya" Torba 2/01 Seite 21

 

 

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